Orlando

Musiktheater (UA) - Bielefeld 2013

Am Ende einer über 300jährigen Reise durch Zeiten und Geschlechter wechselnd fährt Virginia Woolfs Orlando mit dem Auto durch London. Orlandos schier unendliche Suche nach Identität bündelt sich plötzlich in einer Erkenntnis: »Sechzig oder siebzig verschiedene Zeiten ticken gleichzeitig in jedem menschlichen Organismus«, »mehr als zweitausend Ichs« leben in einem einzigen, dem »mutmaßlich wahren« Ich. Orlandos Wesen beruhigt sich – und verstummt.

Orlando ist viel mehr als eine Romanfigur. Davon erzählen die zahllosen literarischen, musikalischen, filmischen und bildnerischen Annäherungen. Ein »Prinzip Orlando« scheint hier durch, eine Zustandsbeschreibung der menschlichen Existenz, die sich in eine überfordernde Welt geworfen sieht und sich dort permanent neu erfinden muss – sofern sie den Wunsch nach Verheißung, nach Liebe und einer mit sich selbst stimmigen Identität nicht aufgeben will.

Das Musiktheater ist der ideale kreative Raum, sowohl der Figur als auch dem »Prinzip Orlando« auf die Spur zu kommen. Denn hier hebt Musik die Zeit aus den Angeln, und Komplexität und Sinnlichkeit schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich. Die drei Teile dieses Abends befragen Orlandos Identität auf verschiedene Weise: Konfrontiert mit den Zynismen der Medienwelt und dem Zwang zur Individualität, mit Sehnsucht nach Liebe und den Verlockungen des Geschlechts, mit Poesie, Revolution, Show und Gewalt sucht Orlando ihr/sein Ich.

Kreiert, inszeniert und dirigiert wird Orlando von Stipendiaten der Akademie Musiktheater heute – ein Programm der Deutsche Bank Stiftung. Junge Komponisten, Librettisten, Regisseure, Bühnenbildner, Dramaturgen und ein Dirigent stürzen sich in das »Abenteuer Oper« und geben einem der schillerndsten Stoffe der Weltliteratur neue Gestalt.

Theater Bielefeld / 2013

Komposition

Martin Grütter

Libretto

Judith Pielsticker

Inszenierung

Christian Grammel

Bühne

Alienor Dauchez, Julia Rommel

Kostüme

Svenja Gassen

Musikalische Leitung

Aurelien Bello